Spieltag 2 – Gerstengötter

Spieltagsaufgabe und Ziele
Erste Ideen sammeln, verwerfen, neu denken – und am Ende steht der erste Teil unseres Modells. Der zweite Spieltag war geprägt von strategischer Planung und einer klaren Richtungsentscheidung für unseren FoodConnect-Markt. Wie wir strukturiert vorgegangen sind, unsere Persona fundiert integriert und warum Recherche für uns die Grundlage aller Entscheidungen bildet, erläutern wir in diesem Beitrag.
Die Aufgabe bestand darin, mit dem Bau des FoodConnect-Marktes zu beginnen, drei Persona – Simone, Alma und Elias – konsequent zu berücksichtigen und sowohl ein tragfähiges Konzept als auch eine modellhafte Umsetzung zu entwickeln. Zusätzlich sollte ein technisches Element integriert werden.
Unser Ziel war es, die vollständige Verkaufsfläche im baulich umzusetzen und für jede Persona realistische, funktionale Lösungen zu erarbeiten. Das technische Element sollte nicht bloß ergänzen, sondern sinnvoll unterstützen. Dabei war es uns wichtig, alle Entscheidungen faktenbasiert zu treffen – Kreativität ja, aber mit Substanz.
Vorgehensweise
Zu Beginn stand eine medienfreie Brainstorming-Phase. Ohne digitale Ablenkung haben wir erste Ideen gesammelt, priorisiert und kritisch hinterfragt. Schnell war klar: Einheitlichkeit ist entscheidend. Deshalb legten wir den Maßstab 1:50 fest, um ein konsistentes und übertragbares Modell zu gewährleisten. (Bild 1)
Im Anschluss folgte eine intensive Recherchephase. Sie bildet das Fundament unseres Projekts. Neben gezielter Online-Recherche führten wir ein Interview mit dem Marktleiter des REWE Lamm in Ründeroth. Ziel war es, reale Abläufe im Supermarktalltag kennenzulernen und bewährte Konzepte sinnvoll zu adaptieren – schließlich muss man das Rad ja nicht neu erfinden. Wir konnten sehr gute Einblicke gewinnen und tolle Erfahrungen sammeln, die uns im Verlauf des Spieltages geholfen haben.
Darüber hinaus besuchten wir in der Bundeskunsthalle in Bonn die Ausstellung „WE/TRANS/FORM“. Die Ausstellung lieferte wertvolle Impulse zu Materialien, nachhaltigen Bauweisen und räumlicher Gestaltung. Uns wurde gezeigt, wie Bauen in der Zukunft funktionieren kann, und wir konnten viele Eindrücke mitnehmen. Es hat sich gezeigt das sich der Weg gelohnt, weil wir so einiges an Inspiration gewinnen konnten.
Auch die Recherche im Internet hat uns weitergeholfen und die restlichen Ergebnisse ergänzt.
Simone – Familienfreundlichkeit durchdacht umgesetzt
Simone möchte entspannt mit ihren Kindern einkaufen können. Daher planten wir breite Gänge, die auch mit Kinderwagen problemlos nutzbar sind. Ein ausgewiesener Kinderwagenparkplatz ermöglicht Flexibilität beim Wechsel zum Einkaufswagen. Auch sind Einkaufswagen mit der Möglichkeit das Kind darein zusetzen vorhanden.
Eine integrierte Spielecke bietet Kindern eine sinnvolle Beschäftigung während des Einkaufs. Die klassische „Quengelzone“ an der Kasse wurde bewusst weggelassen – eine kleine Entscheidung mit großer Wirkung für die Nerven aller Beteiligten. (Bild 2)
Alma – Barrierefreiheit als Standard, nicht als Zusatz
Alma kann auf rollstuhlgerechten Parkplätzen nahe dem Eingang parken und den Markt über einen Aufzug erreichen. Regale, Kühltheken und Kassenbänder sind in angepasster Höhe konzipiert. Zusätzlich stehen spezielle Einkaufswagen für Rollstuhlnutzer:innen bereit, nachdem wir diese auch schon im Rewe Lamm in der Praxis sehen durften.
Leitstreifen im Markt erwiesen sich laut Interview als schwer umsetzbar. Stattdessen setzen wir auf persönliche Unterstützung am Informationsschalter. Braucht eine Person Hilfe beim Einkaufen, kann sie diese dort bekommen. Kontrastreiche Preisschilder erleichtern sehbeeinträchtigten Personen das Lesen der Schilder. Herr Lamm hat im Interview betont: „Es ist wichtig das wir uns an den Kunden anpassen, nicht andersherum.“ So achten wir auch darauf den Supermarkt für jeden Kunden erlebbar zu machen und Hürden abzubauen.
Zusätzlich führen wir täglich von 17 bis 18 Uhr eine „ruhige Stunde“ ein: reduzierte Musiklautstärke, geschlossene Spielecke, geringere Reizbelastung. Inklusion bedeutet für uns, Rahmenbedingungen bewusst anzupassen – und manchmal ist weniger tatsächlich mehr. Diese ruhige Stunde ist auch in der App für den FoodConnect-Markt einsehbar. (Bild 3)
Elias – Nachhaltigkeit und klare Struktur
Elias wünscht sich ein modernes, nachhaltiges Gebäude mit logischer Wegeführung. Daher wurde das Marktgebäude auf Stelzen konzipiert, um Flächenversiegelung zu reduzieren und Hochwasserschutz zu gewährleisten. Als zentrales Baumaterial wählten wir Holz, einen nachwachsenden Rohstoff mit positiver Umweltbilanz.
Im Innenraum setzten wir auf eine thematische Anordnung der Warenbereiche. Die Wegeführung leitet Kund:innen intuitiv durch den Markt bis zur Kasse – klar strukturiert, funktional und ohne unnötige Umwege. Modernität zeigt sich hier nicht im Selbstzweck, sondern in intelligenter Planung. Bei der Ideenfindung hat vor allem die Ausstellung zum Bauen in Bonn geholfen. (Bild 4)
Technisches Element: Der Hilfebutton
Das integrierte technische Element wurde als Hilfebutton realisiert (Auch im Video zu finden). Exemplarisch wurde ein funktionsfähiges Modell aufgebaut: Beim Drücken des Buttons leuchtet eine Signallampe auf, gleichzeitig ertönt am Informationsschalter ein akustisches Signal. So kann unkompliziert Unterstützung angefordert werden – niedrigschwellig, sichtbar und effektiv.
Bauphase und Teamarbeit
In der anschließenden Bauphase setzten wir das Konzept Schritt für Schritt um – beginnend mit der Außenhülle, gefolgt von der Innenausstattung. Dabei überprüften wir kontinuierlich, ob unsere Planung den Anforderungen der Persona gerecht wird.
Organisieren möchten wir unser Gebäude als Supermarkt mit einer zusätzlichen nachhaltigen Komponente die zum Beispiel für Gemeinschaft und Klimaschutz sorgt. Konkret bedeutet das: Gemeinschaftstreffen, gemeinsamer Anbau von Pflanzen, Artenschutz, …
Darüber hinaus haben wir uns Gedanken über die Möglichkeit gemacht den Supermarkt such sozial erlebbar zu machen. So haben wir eine zweite Etage geplant die nicht nur Raum für Verwaltung, Toiletten und Pausenräume hat, sondern darüber hinaus Platz für Gemeinschaftsräume und Gemeinschaftsküchen bietet. So endet der Einkauf nicht an der Kasse und geht über den normalen Rundgang im Markt hinaus.
Bei den technischen Elementen haben wir neben dem Hilfe-Button zum Beispiel auch an Rollbänder, Aufzüge und selbstöffnende Türen gedacht. Auch die Energieversorgung soll unter anderem über Solar sichergestellt werden.
Herausforderungen
Die größte Herausforderung war die knappe Zeit. Nicht aufgrund mangelnder Organisation, sondern weil wir den Wettbewerb fachunabhängig durchführen und somit überwiegend in unserer Freizeit arbeiten. Ein präziser strukturierter Zeitplan war daher essenziell, um Verzögerungen zu vermeiden. Effizienz war kein Schlagwort, sondern Notwendigkeit.
Auch mussten wir uns ganz neu in das Thema 3D-Druck einarbeiten. Das ist eine Herausforderung der wir nicht ausweichen konnten, den die benötigten Objekte war essentiell. Bisher hatte von uns noch niemand so gedruckt und wir mussten uns erstmal in die Programme einlesen. Mithilfe unseres Coaches Marc Straußfeld hat der 3D-Druck aber funktioniert und auch diese Hürde konnten wir überwinden. Nun sind im Modell auch 3D-gedruckte Objekte zu finden.
Zusammenfassung
Der zweite Spieltag war geprägt von fundierter Planung, intensiver Recherche und konsequenter Umsetzung. Durch klare Zieldefinition, realitätsnahe Experteneinblicke und die durchdachte Integration unserer Persona entstand ein tragfähiges, nachhaltiges Marktmodell. Kreativität und Faktenbasis gingen dabei Hand in Hand. Trotz knapper Zeit gelang es uns, strukturiert und lösungsorientiert zu arbeiten. Unser FoodConnect-Markt ist kein Zufallsprodukt – sondern das Ergebnis reflektierter Teamarbeit mit Anspruch und einer Menge Spaß ;)



