Spieltag 2 – Bre-delicious

Spieltagsaufgabe und Ziele
Bis 2050 werden 68 % der Weltbevölkerung in Städten leben (1). Nicht nur die Weltbevölkerung nimmt zu, sondern auch der prozentuale Anteil der urbanen Bevölkerung. Durch diesen Zuwachs der Bevölkerungen in Städten entsteht eine gewaltige Aufgabe: die Versorgung der dort lebenden Menschen. Wie bekommen diese Menschen Strom? Wie können sie mit Sanitäranlagen versorgt werden?
Die zentrale Frage jedoch lautet: Wenn immer mehr Fläche von Städten und Beton eingenommen wird, wie kann man dann diese Menschen mit Lebensmitteln versorgen?
Für dieses Problem haben wir die Lösung: Wir wollen Nahrungsmittel vor Ort vertikal produzieren. Hierdurch lösen wir nicht nur das Problem des mangelnden Platzes für Landwirtschaft, sondern auch das viel größere Problem der Logistik. Rund 20 % der CO2-Emissionen der Nahrungsmittelproduktion entstehen durch Transportwege (2). Dies können wir ändern!
Ziel unseres Projekts ist die Entwicklung eines realitätsnahen Modells, welches veranschaulicht, wie urbane Lebensmittelproduktion, soziale Teilhabe und kurze Lieferketten in einem einzigen Gebäude vereint werden können. Unser FoodConnectMarkt soll dabei nicht nur Lebensmittel produzieren, sondern auch Bildung, soziale Begegnungen und Selbstversorgung fördern.
Quellen:
1: https://www.un.org/development/desa/en/news/population/2018-revision-of-world-urbanization-prospects.html
2: https://environment.ec.europa.eu/news/field-fork-global-food-miles-generate-nearly-20-all-co2-emissions-food-2023-01-25_en
Vorgehensweise
Um den gesamten verfügbaren Platz in einer Stadt nutzen zu können, besteht unser FoodConnectMarkt aus zwei separaten Türmen und einem Keller. Für optimale Effizienz haben wir diese beiden Türme in ihrer Aufgabe spezialisiert und durch einen Keller verbunden.
Der ConnectMarkt
Der erste Turm ist dem sozialen Miteinander gewidmet, kreisförmig geformt und besitzt fünf Etagen. Drei zentrale Fahrstühle sorgen für schnellen und barrierefreien Transport zwischen den Etagen. Außerdem gibt es eine Treppe für Brandsicherheit.
Im Erdgeschoss befinden sich die Kassen, eine große betreute Kinderecke, Informationsstände unserer Angebote, Gesellschaftsräume und ruhige Lernplätze für Schüler*innen.
Auf der ersten Etage befinden sich die Verkaufsflächen der lokalen Produkte. Um Barrierefreiheit zu gewährleisten, haben wir smarte Einkaufswagen entwickelt, welche über einen ausfahrbaren Sitz verfügen, sodass jeder Mensch auch die oberen Regale erreichen kann. Unsere Regale sind bewusst bereits niedrig konzepiert, sodass auch kleinwüchsige Menschen diese ohne weitere Hilfe erreichen können.
Auf der 3. Etage bauen wir ein Restaurant. Hier wird mit dem lokal angebauten Gemüse gekocht und dieses wird hier auch weiterverarbeitet, beispielsweise in nachhaltige Tomatensauce, welche wir auch verkaufen.
Die 4. und 5. Etage machen unseren FoodConnectMarkt besonders inovativ. Wir sind uns bewusst, dass selbst, wenn hunderte von unseren Märkten in einer Stadt errichtet würden, wir immer noch nicht die gesamte Bevölkerung versorgen könnten. Daher bieten wir Workshops an, in denen man lernt, wie man selbst bei sich in der Wohnung oder auf dem Balkon Gemüse anpflanzen kann und sich somit selbst versorgen kann. Auf der 4. Etage befinden sich Seminarräume, in denen theoretische Einweisungen erfolgen. Natürlich können diese Räume auch anderen Zwecken, wie Nachhilfeunterricht oder Geburtstagsfeiern, gewidmet werden. Uns ist es wichtig, dass der benutzte Platz so oft wie möglich genutzt wird, um das volle Potenzial auszuschöpfen.
Auf der 5. Etage befinden sich die Anbauanlagen für die Workshops, um auch praktische Fähigkeiten zu vermitteln. Natürlich dient dieser Bereich nicht ausschließlich dem Lehrzweck. Die Ernte hiervon wird auch genutzt und verkauft.
Food
Der andere Turm ist in der Form einer Bohne gebaut und tatsächlich handelt es sich auch um den Gemüseturm. Baulich umarmt er den kreisförmigen Turm. Wir haben uns für diese Form entschieden, um mehr horizontale Fläche nutzen zu können und trotzdem die Vorteile eines ovalen Designs wie Windresistenz beizubehalten.
Der gesamte Turm mit 10 Etagen ist dem Anbau von Gemüse gewidmet. Wir setzen auf eine möglichst große Diversität in unseren Pflanzen, um ein breites Sortiment an Waren anbieten zu können.
Durch ein kontrolliertes Anbausystem lässt sich eine hohe Produktivität auf sehr kleiner Fläche erreichen. Die Forschung der NASA hat gezeigt, dass genau diese Techniken, mit denen Pflanzen in geschlossenen Umgebungen wachsen, eine Grundlage für moderne vertikale Farmen darstellen, weil sie idealisierte Bedingungen schaffen, bei denen Licht, Temperatur, Wasser und Nährstoffe optimal gesteuert werden können. Dadurch wächst Gemüse dichter, schneller und ohne Witterungseinflüsse im Vergleich zur traditionellen Landwirtschaft. Ein Beispiel aus der industriellen Umsetzung zeigt, wie eine Vertikal Farm mit nur einem Prozent des Wassers von konventioneller Landwirtschaft ähnliche Erträge erreicht wie riesige Außenflächen (3).
Auch im Rahmen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) wird beschrieben, wie vertikale Anbaukonzepte Lebensmittelsysteme in urbanen Regionen nachhaltig stärken können. Dort werden Systeme mit automatisierter Beleuchtung, Bewässerung und Klimasteuerung eingesetzt, um dem begrenzten Platzangebot entgegenzuwirken und gleichzeitig lokale Gemeinschaften mit frischen Produkten zu versorgen (4).
Mit unserem Gemüseturm setzen wir genau auf diese Technologien, um lokal, wetterunabhängig und ressourceneffizient Lebensmittel zu produzieren. Wir sind überzeugt, dass dies in Zukunft ein zentraler Bestandteil der Ernährungssicherheit in urbanen Räumen ausmachen wird. Außerdem haben wir hier auch unser erstes technisches Element verbaut: eine elektrische Pumpe zur automatischen Bewässerung, essentiell für Vertical Farming.
Der Keller bildet das funktionale Rückgrat unseres FoodConnectMarkts. Hier befinden sich das Warenlager sowie die Logistik, denn für unsere hochkomplexe Anlage ist ein eigener Ort für Logistik dringend notwendig. Die Heizung, Strom- und Wasserversorgung sowie Kontrolleinheiten befinden sich auch hier. Auch haben wir hier Platz für verschiedene Geräte und eine Werkstatt.
Auf den ersten Blick scheint es widersprüchlich, diese zentralen Funktionen ausgerechnet in den Untergrund zu verlagern. Ist der Bau eines Kellers in einer urbanen Umgebung nicht deutlich aufwendiger? Wir sind überzeugt, dass dies die sinnvollste Lösung ist, da in einer Megametropole jeder Quadratmeter zählt. Indem wir die gesamte Logistik unterirdisch organisieren, schaffen wir oberirdisch mehr Platz für offene Grünanlagen und soziale Räume.
Bauliche Umsetzung
Die Grundplatte ist auf 1 m × 1 m begrenzt, jedoch wurde uns schnell bewusst, dass wir den vollen Platz gar nicht benutzen können, denn die Türen unserer Schule beschränken sich auf 90 cm. Aus diesem Grund haben wir unsere Grundfläche nun auf 1 m × 87 cm zugeschnitten.
Für die Türme benötigen wir eine robuste Struktur. Aus diesem Grund benutzen wir Gewindestangen mit einem Durchmesser von 12 mm. An diese Gewindestangen befestigen wir unsere 3 mm dicken Etagenplatten, indem wir mit zwei Muttern die Etagen von oben und unten kontern.
Ein rundes und ovales Design ist schwierig handwerklich zu fertigen. Aus diesem Grund schätzen wir uns glücklich, dass unsere Schule seit kurzer Zeit einen Laser-Cutter besitzt, mit dem wir in der Lage waren, komplexe Formen zu konstruieren.
Für viele Wände haben wir bisher 3D-Druck verwendet, da mehrere Personen aus unserem Team damit bereits Erfahrung besitzen. An den folgenden Spieltagen wollen wir auch künstlerisch unser Talent ausleben und beispielsweise Einrichtungsstücke mit Zahnstochern oder Ähnlichem bauen.
Quellen:
3: https://www.undp.org/belarus/stories/vertical-farming-solution-sustainable-local-development
4: https://www.nasa.gov/technology/tech-transfer-spinoffs/nasa-research-launches-a-new-generation-of-indoor-farming/
Herausforderungen
Es wäre gelogen zu sagen, dass es bisher einfach gewesen ist. Dieses Projekt hat uns auf eine Weise gefordert, wie es regulärer Unterricht niemals könnte. Das ist toll.
Die größte Herausforderung ist die Kommunikation gewesen. Wir treffen uns zweimal die Woche, während dieser zwei Stunden diskutieren wir viel über unsere Ideen. Das macht Spaß, weniger Spaß macht das Aufschreiben dieser Ideen. Wir haben gelernt, dass dies jedoch äußerst wichtig ist, denn dadurch können wir verhindern, dass ein Konzept, welches bereits geklärt ist, wieder Thema von Diskussionen wird, und so können sich auch alle, wenn jemand fehlt, über den Stand des Projekts informieren.
Auch gab es leidenschaftliche Auseinandersetzungen über die richtigen Lösungsansätze. Wir haben in unserem Team keine Autoritätsperson, die ansagt, welchen Weg wir einschlagen. Dies ist einerseits gut, denn so können alle demokratisch mitbestimmen, jedoch führt dieser demokratische Prozess auch zu erheblichen Zeitverlust. Für den dritten Spieltag haben wir bereits abgeklärt, dass Herr Allroggen, unser Coach, wegen seiner handwerklichen Expertise ein wenig diese Rolle als finaler Entscheidungsträger übernehmen wird, um weitere längere Auseinandersetzungen zu vermeiden.
Ein großer konkreter Konfliktpunkt war der Maßstab. Alle von uns möchten unser Modell realistisch gestalten, jedoch sorgten sich manche um die Präsentierfähigkeit unserer Türme, denn es mag zwar banal erscheinen, jedoch ist ein Modell nichts wert, wenn der Betrachter keinerlei Möglichkeit hat, das Innere des Modells zu betrachten. Der Vorschlag war: Den Maßstab beizubehalten, jedoch zwischen jeder Etage leeren Abstand einzubauen, um die Betrachtung zu ermöglichen. Allerdings ist dies nicht realistisch.
Letztendlich haben wir eine Mischung dieser Lösung gefunden und kombinieren es nun mit weiteren Präsentationsmöglichkeiten wie Schubladenmechanismen, durchsichtigen Wänden und Modellierungen.
Diese Punkte stellen nur einen Ausschnitt der Herausforderungen, auf die wir gestoßen sind, da, jedoch sprengt es den Rahmen, hier nun alles aufzuzählen, denn bei diesem Projekt sind wir ständig gefordert und erlernen neue Fähigkeiten, sei es 3D-Modellierung, Lasercutten, Ideentischlerei, Sägen, Kommunikation, Elektronik oder vieles mehr.
Rückblickend haben wir gelernt, wie wichtig klare Entscheidungsstrukturen, Dokumentation und Kompromissfähigkeit in realen Projekten sind. Diese Erfahrungen werden wir gezielt in den kommenden Spieltagen nutzen, um effizienter zu arbeiten und unsere Idee weiter zu verbessern.
Zusammenfassung
Durch unseren FoodConnectMarkt möchten wir zeigen, dass Städte nicht nur Räume des Konsums, sondern auch Produktionsorte der Zukunft sein können. Unser Modell ist ein erster Schritt, um nachhaltige Ernährung, Bildung und Gemeinschaft neu zu denken. Wir sind optimistisch für die weitere Umsetzung unserer Vision, denn wir haben bereits viel geschafft: von der Recherche zum Design und vom Einkauf zum ersten Bohren.
Trotz aller Herausforderungen hatten wir bisher eine Menge Spaß. Der 2. Spieltag ist nicht reibungslos gelaufen, aber das ist nicht schlimm. Denn drei weitere Spieltage folgen nun und wir haben viel gelernt und werden uns verbessern.
Wir freuen uns!
Das Bre-delicious Team



