Spieltag 3 – Leben Hayat

Spieltagsaufgabe und Ziele
Die Aufgabe von Spieltag 3 lautet: Eine Anbaufläche für unseren FoodConnect-Markt konzipieren, bauen und technisch gestalten, nachhaltig, platzsparend, zukunftsorientiert und sinnvoll ins Gesamtkonzept eingebunden.
Unser Ziel war dabei nicht einfach irgendein Gewächshaus. Wir wollten die beste Anbaumethode finden und haben dafür bewusst verschiedene Systeme verglichen, bevor wir uns entschieden haben. Zur Auswahl standen Hydroponik, Aeroponik und Aquaponik. Am Ende haben wir uns für Vertical Aquaponics entschieden, aus konkreten inhaltlichen Gründen und nicht aus Zufall.
Dabei orientieren wir uns direkt an den Wünschen der drei Personas dieses Spieltags. Joshua (28, Stadtplaner) wünscht sich ein Gewächshaus, das Natur und Technik als gestalterische Einheit zeigt und zum Markt passt. Amira (45, Gärtnerin) möchte einen Ort der Gemeinschaft, wo Ernte geteilt und gemeinsam genutzt wird, für Kochaktionen, Schulfeste oder Bedürftige. Jonas (16, Technik-Fan) träumt von Sensoren, automatischer Bewässerung und einer App, die den Wachstumsstand anzeigt. Alle drei Wünsche sind in unserem Konzept direkt umgesetzt.
Vorgehensweise
Bevor wir mit dem Bau angefangen haben, haben wir uns ernsthaft gefragt, welches System wirklich am besten zu unserem FoodConnect-Markt passt.
Hydroponik ist einfacher einzurichten und gut für den Einstieg ins Urban Farming, aber stark abhängig von synthetischen Nährstoffen und energieintensiver Kunstbeleuchtung, was Betriebskosten und Umweltbelastung erhöht. Aeroponik erzielt zwar noch höhere Erträge mit minimalem Wasserverbrauch, ist aber technisch extrem komplex und fehleranfällig. Keines der beiden Systeme schließt den Nährstoffkreislauf von selbst, und keines besitzt diesen faszinierenden Blickfang, der Menschen anzieht und ihnen erklärt, wo ihr Essen wirklich herkommt.
Aquaponik verbindet Fischzucht und erdlose Pflanzenzucht in einem geschlossenen Kreislauf. Bakterien wandeln Fischabfälle in natürliche Pflanzennährstoffe um, die Pflanzen filtern das Wasser, das anschließend gereinigt zu den Fischen zurückfließt. Laut der Aquaponik Manufaktur spart dieses System bis zu 90 Prozent Wasser im Vergleich zu konventionellem Anbau. Außerdem produziert es gleichzeitig Fisch und Gemüse, eine Doppelfunktionalität, die es wirtschaftlich und ökologisch besonders attraktiv macht.
Für einen öffentlichen FoodConnect-Markt ist Aquaponik zudem die sozialste Wahl. Unsere Farm befindet sich auf der Oberetage des Gebäudes mit direktem Blick auf den zentralen Innenhof. Wer einkauft, sieht die Pflanzen wachsen. Wer neugierig wird, kann hochkommen und selbst anpacken. Schulklassen beobachten Aussaaten, ältere Besucherinnen und Besucher wie Amira können ihre Gartenerfahrung einbringen und an jüngere weitergeben. Monatliche Ernte-Events schaffen einen festen Treffpunkt im Stadtteil. Ein Teil des Ertrags geht direkt an eine Lebensmittelausgabe im Erdgeschoss, sodass auch Menschen mit wenig Geld Zugang zu frischen, lokal angebauten Produkten erhalten. Die Farm ist kein geschlossenes Labor, sondern ein offener Ort für alle.
Das Grundgerüst unserer Farm haben wir mit dem 3D-Drucker gedruckt. Das ermöglicht präzise und stabile Strukturen im Maßstab 1:200, die die vertikalen Pflanztürme, Ebenen und die Anbindung an den Marktbereich klar sichtbar machen.
Für die Außenhülle, also die Fensterflächen des Gewächshauses, nutzen wir Polyvinylchlorid-Folie (PVC). Wir haben diese Entscheidung bewusst getroffen und kritisch hinterfragt. PVC-Folie kann aus ökologischen Gründen für reale Gewächshäuser nicht empfohlen werden. Für unser Miniaturmodell ist sie jedoch die richtige Wahl, da sie transparent, leicht zu verarbeiten, kostengünstig und bruchsicher ist. In einem echten Gebäude würden wir auf ETFE-Folie (Ethylen-Tetrafluorethylen) setzen, ein Material, das extrem langlebig, leichter als Glas und vollständig recycelbar ist. Diese Unterscheidung zwischen Modell und Realität ist uns wichtig, weil wir zeigen möchten, wie unser Konzept im echten Maßstab wirklich nachhaltig umgesetzt würde.
Das Förderband zwischen Farm und Markt befindet sich im Bau. Es transportiert die Ernte ohne Umweg direkt in den Laden, ohne Transportkette, mit maximaler Frische und ohne unnötige Lagerung.
Unsere Web-App ist bereits fertiggestellt. Sie zeigt in Echtzeit, welche Produkte erntebereit sind, wie hoch der aktuelle Wachstumsstand ist und wann die nächste Ernte zu erwarten ist. Feuchtigkeitssensoren und Temperaturmessung überwachen das System automatisch. Ladenbesitzer können direkt per App bestellen und erfüllen damit Jonas' Wunsch nach smarter Technik, die den Pflanzen hilft und Menschen informiert.
Wir setzen auf Pflanzen mit kurzen Wachstumszyklen und hoher Nachfrage: Salat, Basilikum, Spinat, Kräuter und Microgreens. Als Fische nutzen wir Tilapia, eine robuste und wärmeverträgliche Art, die sich in Aquaponik-Systemen besonders bewährt hat.
Herausforderungen
Die erste Herausforderung war die Wahl des richtigen Anbausystems. Anfangs lag Hydroponik als einfachste Lösung nahe. Nach der Recherche wurde jedoch klar, dass Hydroponik stark abhängig von synthetischen Nährstoffen und Kunstlicht ist, was unserem Nachhaltigkeitsanspruch widerspricht. Aquaponik ist zwar komplexer, aber der geschlossene biologische Kreislauf mit natürlichen Nährstoffen überzeugte uns als die konsequentere Lösung für einen öffentlichen Marktort.
Die zweite Herausforderung war die Materialwahl für die Fassade. Wir haben uns bewusst mit den Vor- und Nachteilen von PVC auseinandergesetzt. Für das Modell ist PVC-Folie praktisch und gut zu verarbeiten. Für ein echtes Gewächshaus würden wir jedoch auf ETFE umsteigen, das langlebiger, leichter und vollständig recycelbar ist. Diese Reflexion gehört für uns zum Projektprozess dazu.
Die dritte Herausforderung war die Darstellung im Miniaturmaßstab. Ein Förderband bei 1:200 ist nur wenige Millimeter breit. Unsere Lösung sind farblich markierte Schienen und eine Modelllegende, die erklärt, welches Element welche Funktion erfüllt. Den Wasserkreislauf stellen wir mit transparenter Folie als Wasseroberfläche und blauen Fäden als Rohrleitungen dar.
Zusätzlich haben wir das Feedback aus Spieltag 2 direkt aufgegriffen. Unser Konzept wirkte zu technisch und die menschliche Komponente kam zu kurz. Die Entscheidung für Aquaponik war auch eine Antwort darauf, denn ein lebendiges System mit Fischen und Pflanzen ist kein Labor, sondern ein Ort der Begegnung, des Lernens und des Miteinanders.
Zusammenfassung
Wir haben diesen Spieltag genutzt, um nicht nur zu bauen, sondern wirklich zu verstehen, welche Lösung am besten zu unserem FoodConnect-Markt passt. Die Wahl fiel auf Vertical Aquaponics, recherchiert, abgewogen und begründet.
Aquaponik verbindet Fischzucht und erdlosen Pflanzenbau zu einem symbiotischen Kreislauf, der bis zu 90 Prozent Wasser spart, auf synthetische Düngemittel verzichtet und gleichzeitig zwei Lebensmittelquellen produziert. Für einen urbanen FoodConnect-Markt ist das die konsequente Wahl: lokal, effizient, sichtbar und gemeinschaftlich.
Unser 3D-gedrucktes Grundgerüst, das laufende Förderband und die fertige Web-App, dass wir nicht nur planen, sondern tatsächlich umsetzen. Wir wissen auch, wo wir in der Realität andere Entscheidungen treffen würden, zum Beispiel ETFE statt PVC, und warum. Diese Reflexion ist für uns Teil des Projekts.
Die Farm ist noch nicht fertig. Aber sie wächst, genauso wie die Pflanzen, die sie bald beherbergen wird.
Quellen: Aquaponik Manufaktur – aquaponik-manufaktur.de · Wikipedia: Aquaponik – de.wikipedia.org/wiki/Aquaponik · ECF Farm Berlin – ecf-farmsystems.com · Go Green Aquaponics: Vertical Aquaponics – gogreenaquaponics.com · derkleinegarten.de: Gewächshausverglasungen im Vergleich – derkleinegarten.de · Pflanzenfabrik.de: Vertical Farming im Überblick – pflanzenfabrik.de